Kategorie: Arbeiten

Love Alien: der ganze! Film nacherzählt

Am Anfang bist du einsam und traurig und sehnst dich nach einer Freundin. Nur will dich keine. Irgendwann fängst du an, an dir zu arbeiten. Sport, Therapie, Klamotten, drüber reden. Aber dich will immer noch keine. Was ist los? Sagen das nicht alle, dass du was dafür tun musst? Warum klappt es nicht? Zum Schluss kapierst du: wenn überhaupt, musst du bei dir anfangen. Aktiv werden, an dir arbeiten – das bringt vielleicht nicht gleich ne Freundin. Aber du kannst zufriedener werden, fühlst dich in dir wohler. Damit hört der Film auf, dass mit deiner Einsicht dieser lange, steile Weg losgeht.

Besser kann man’s wahrscheinlich nicht zusammenfassen. Danke, Eva!

Bis 17. Juni: LOVE ALIEN in der ARD-Mediathek for free

Was wir (bei allem Spaß) nicht vergessen sollten

Das ungewollte, so hartnäckig unbeendbare Alleinbleiben ist ein Problem. Punkt.

Muss man ja mal sagen. Da ist es völlig Wumpe, ob einer (oder eine) diese seltsamen Organe zwischen den Beinen noch nie gemeinsam mit einem anderen Menschen benutzt hat, oder hundertmal: Wer denkt, da ist ein Problem; wer, warum auch immer, niemanden finden kann und sich darum sorgt, für lange oder für immer alleinzubleiben: der hat wohl dieses Problem.

Man kann viel über Lebenssorgen lesen, über Depression und Burnout, und dass die gar nicht so lustig sind, und keine Hirngespinste. Nun: Die Sorge, alleinzubleiben, ist für mich ebenso schwerwiegend wie andere Lebenssorgen. Man sucht sich ja seine Sorgen nicht aus. Als Sorgender hilft es auch keinen Millimeter weiter, zu hören: das sei doch kein richtiges Problem, man solle sich mal nicht so anstellen, man sei doch noch jung, man solle erstmal Spaß im Leben haben, sich nicht auf eine Beziehung versteifen, glücklich könne man nicht nur mit einem Partner werden… und das ließe sich (leider) unendlich fortsetzen.

Manchmal, das gebe ich zu, habe ich vielleicht eine zu flapsige Art, wenn ich über dieses Thema spreche. Dann kommt das so ein bisschen lustig rüber, als wäre das eigentlich gar keine große Sache. Und ja: Es war mir wichtig, dass Film und Buch nicht deprimierend sind, sondern wenigstens ein bisschen unterhaltsam und – hoffentlich – auch humorvoll…

Und dann kam es eben vor: Wenn der Love-Alien-Film mal gezeigt wurde und hinterher eine Gesprächsrunde war, wo die Leute ihre Fragen stellen konnten: dann wurde mir mitunter gesagt, ich wirke ganz anders als im Film, ich sei ja viel lustiger, gar nicht so deprimiert. Wie das denn zusammenpasse, der Wolfram im Film und der „echte“?

Naja. Ich bin schon beides. Gerne lustig, aber auch manchmal das Gegenteil. Kommt eben drauf an, wie’s grad so geht. Meine Freunde können Lieder davon singen, dass ich gut im Jammern bin. Ich hatte nun inzwischen das unfassbare, tierische Glück, dass ich doch nicht dort stehengeblieben bin, wie ich befürchtet hatte, dass mir ein paar Menschen begegnet sind, ein paar Dinge passiert, die mich heute sagen lassen: Ich fühle mich nicht mehr als Love Alien!

Aber ich habe nicht vergessen, wie beschissen das ist, Abend für Abend allein ins Bett zu gehen, über Jahre, immer mit demselben Gedanken: Wie lange noch… für immer?

Wir sollten das ernstnehmen. Vor allem die Menschen sollten wir ernstnehmen.

LOVE ALIEN im Fernsehen: übermorgen, Freitag, 10. Juni, 21 Uhr => ARD-Alpha

Love Alien: Buch zum Film? Film zum Buch? Oder wie?

Es gibt ein Buch. Und es gibt einen Film. Heißen beide „Love Alien“ und sehen auch noch ähnlich aus. Ist es das Buch zum Film, der Film zum Buch, oder wie?

Weder, noch.

Der Film war zuerst da und ist eine Innenansicht, eine Momentaufnahme aus dem Alltag allein: mein 30. Lebensjahr, aufgenommen vom 29. bis zum 30. Geburtstag, mit einer kleinen Urlaubskamera aus der Subjektive. Er kam an der Filmhochschule als Übungsfilm zustande und sollte ursprünglich gar nicht von mir handeln, sondern von anderen Menschen mit denselben Sorgen. Als ich einem meiner Filmlehrer unter Angstschweiß und vier Augen gestand, es gehe mir übrigens selber so, das sei auch die Motivation zu diesem Thema, sagte der: Warum machst du den Film nicht über dich?

Ist dann so gekommen. Der Dreh hat ein Jahr gedauert, die Fertigstellung bis zur Premiere fast ein weiteres. Danach kam der Film ins Kino, ins Fernsehen und auf DVD. Da hatte ich Glück. Hatte ich mir sicher erhofft, dass der Film Aufmerksamkeit erregt, aber wissen oder planen konnte ich das natürlich nicht.

Er war noch nicht veröffentlicht, da trudelte eine Email ein.

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Buch schreiben? Ich hab doch grad einen Film gemacht, was sollte im Buch anderes stehen? Ein paar Emails gingen hin und her, dann schlief die Buchidee wieder ein…

Sie schlief drei Jahre, bis sie im Frühjahr 2015 aufwachte, ausgiebig gähnte, sich streckte und nach Aufmerksamkeit verlangte. In der Zwischenzeit war einiges passiert: Nicht nur, dass ich nach zehn Jahren in eine Stadt gezogen war, in der ich mich pudelstwohlst fühlte (falls sich pudelwohl steigern lässt), ich hatte unterdessen sogar erste Gehversuche in der Liebe gemacht: Ich fühlte mich nicht mehr als Love Alien!

Vielleicht wäre das mit so einem Buch jetzt doch was? Eine Freundin, die bei der Zeitung arbeitet, riet mir, unbedingt eine Agentur zu beauftragen. Sag mal, Google: Gibt es eine Buchagentur in Leipzig? Nö, sagte Google, dafür in Berlin. Ich schrieb kurzerhand an die größte: Ob das mit so einem Buch eine gute Idee sei? Ist es, schrieb die Agentur zurück. Wir zimmerten ein Exposé zurecht, und die Agentur spammte damit die Verlage voll. Kann jetzt allerdings ein paar Wochen dauern, sagte die Agentur, grade bei Erstautoren zieren sich die Verlage oft, bis sie zusagen…

Es dauerte zwei Stunden, bis der Agent wieder anrief, selber ein wenig atemlos: Verlag hat angebissen! Dann ging es ratzfatz, Vertrag, Unterschrift, hin, her, fertig.

Das Schreiben hatte ich unterschätzt. Das ist richtig Arbeit, weit mehr als ein bisschen Tastenklappern am Abend. Und es dauerte, bei mir jedenfalls viel länger als geplant. Am Anfang hat ein einzelnes Kapitelchen geschlagene zwei bis drei Wochen verschlungen, und hinterher hab ich mir erstmal stolzgeschwellt die Schulter geklopft und das Kapitel an sämtliche Freunde verschickt, ob sie nun wollten oder nicht. Und eine wohlverdiente Pause eingelegt, um Rotwein zu trinken. So ging der Sommer hin, im Nu war der erste Abgabetermin heran und wurde in vollem Schreibgalopp gerissen: nicht zu halten. Auch der zweite nicht, und auch nicht der dritte. Dabei wurde ich im Schreiben immer schneller, zum Schluss mussten pro Kapitel zwei, drei Tage reichen. Den ganzen Mist vom Anfang, diese Zweibisdreiwochenkapitel, hatte ich längst weggeschmissen, und ich verschickte auch nichts mehr, an niemanden, vorsichtshalber. Außer die Lektorin.

Der Film ist die Momentaufnahme und steckt noch mittendrin im Einsamkeitsschlamassel, es geht mehr um Stimmung als um Erklärung. Erklären kann man das sowieso schwer. Das Buch erzählt ganz anders, und es erzählt natürlich mehr. Zum Schreiben braucht es weder Bilder noch Töne. Es gab tatsächlich noch einiges zu sagen, das im Film nicht gesagt werden konnte, eben weil die Bilder dazu fehlten. Klar finden sich auch die gleichen Geschichten hier wie dort, ich bin ja derselbe. Aber das Buch geht doch deutlich über den Film hinaus, es geht bis ganz zurück an den Anfang, und – vielleicht am wichtigsten: es gibt am Ende eine Lösung. So eine Art jedenfalls.

Kein Zurück mehr: die Verlagsvorschau

Wie kommt das Buch in die Buchläden?

Landauf, landab tingeln dieser Frühlingstage die freundlichen Vertreter des Verlags durch die Buchläden, von Borkum bis Bielefeld. Bei Holundertee und Butterkeksen, so jedenfalls stelle ich mir das vor, stehen sie mit den Buchhändlern am Verkaufstresen beisammen, übrigens allesamt kluge und einfühlsame Menschen, belesen sowieso, das gehört schließlich zum Beruf, die ihre Kundschaft, die Bücherwürmer und Schmökerschmecker, genau kennen und sowieso einen der besten Berufe der Welt haben, und das war eine zutiefst ehrliche und garantiert ironiefreie Aussage über Buchhändler. Die Vertreter also ziehen, ein bisschen stolz und mit sanften Fingern, die nagelneue Verlagsvorschau aus dem Koffer aus Krokodilstränenleder, blättern sanft von vorn bis hinten durch das bunte Heft und erzählen schwärmerisch von den Büchern, die von Herbst bis Winter erscheinen sollen.

Und meins ist mit dabei. Kaum zu fassen! Eben hab ich doch noch Tag für Tag vor meinem Tablett in eine Bluetooth-Tastatur getippt, der die Tasten ausfielen wie einem Dreijährigen die Zähne, in der Leipziger Unibibliothek. Das soll ein Buch werden? Nie im Leben! hab ich denken müssen, während ich dran verzweifelte, halbwegs gerade Gedanken in nicht allzu krummen Sätzen unfallfrei zu Display zu bringen. Und schon soll es erscheinen…

Naja, schon. Ein bisschen dauert es dann ja doch noch. 27. Oktober!

Die ganze Verlagsvorschau der Fischer-Sachbücher gibt es übrigens hier.

Der Waschzettel oder: Die Presseinfo vom Verlag