Love Alien: Buch zum Film? Film zum Buch? Oder wie?

Es gibt ein Buch. Und es gibt einen Film. Heißen beide „Love Alien“ und sehen auch noch ähnlich aus. Ist es das Buch zum Film, der Film zum Buch, oder wie?

Weder, noch.

Der Film war zuerst da und ist eine Innenansicht, eine Momentaufnahme aus dem Alltag allein: mein 30. Lebensjahr, aufgenommen vom 29. bis zum 30. Geburtstag, mit einer kleinen Urlaubskamera aus der Subjektive. Er kam an der Filmhochschule als Übungsfilm zustande und sollte ursprünglich gar nicht von mir handeln, sondern von anderen Menschen mit denselben Sorgen. Als ich einem meiner Filmlehrer unter Angstschweiß und vier Augen gestand, es gehe mir übrigens selber so, das sei auch die Motivation zu diesem Thema, sagte der: Warum machst du den Film nicht über dich?

Ist dann so gekommen. Der Dreh hat ein Jahr gedauert, die Fertigstellung bis zur Premiere fast ein weiteres. Danach kam der Film ins Kino, ins Fernsehen und auf DVD. Da hatte ich Glück. Hatte ich mir sicher erhofft, dass der Film Aufmerksamkeit erregt, aber wissen oder planen konnte ich das natürlich nicht.

Er war noch nicht veröffentlicht, da trudelte eine Email ein.

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Buch schreiben? Ich hab doch grad einen Film gemacht, was sollte im Buch anderes stehen? Ein paar Emails gingen hin und her, dann schlief die Buchidee wieder ein…

Sie schlief drei Jahre, bis sie im Frühjahr 2015 aufwachte, ausgiebig gähnte, sich streckte und nach Aufmerksamkeit verlangte. In der Zwischenzeit war einiges passiert: Nicht nur, dass ich nach zehn Jahren in eine Stadt gezogen war, in der ich mich pudelstwohlst fühlte (falls sich pudelwohl steigern lässt), ich hatte unterdessen sogar erste Gehversuche in der Liebe gemacht: Ich fühlte mich nicht mehr als Love Alien!

Vielleicht wäre das mit so einem Buch jetzt doch was? Eine Freundin, die bei der Zeitung arbeitet, riet mir, unbedingt eine Agentur zu beauftragen. Sag mal, Google: Gibt es eine Buchagentur in Leipzig? Nö, sagte Google, dafür in Berlin. Ich schrieb kurzerhand an die größte: Ob das mit so einem Buch eine gute Idee sei? Ist es, schrieb die Agentur zurück. Wir zimmerten ein Exposé zurecht, und die Agentur spammte damit die Verlage voll. Kann jetzt allerdings ein paar Wochen dauern, sagte die Agentur, grade bei Erstautoren zieren sich die Verlage oft, bis sie zusagen…

Es dauerte zwei Stunden, bis der Agent wieder anrief, selber ein wenig atemlos: Verlag hat angebissen! Dann ging es ratzfatz, Vertrag, Unterschrift, hin, her, fertig.

Das Schreiben hatte ich unterschätzt. Das ist richtig Arbeit, weit mehr als ein bisschen Tastenklappern am Abend. Und es dauerte, bei mir jedenfalls viel länger als geplant. Am Anfang hat ein einzelnes Kapitelchen geschlagene zwei bis drei Wochen verschlungen, und hinterher hab ich mir erstmal stolzgeschwellt die Schulter geklopft und das Kapitel an sämtliche Freunde verschickt, ob sie nun wollten oder nicht. Und eine wohlverdiente Pause eingelegt, um Rotwein zu trinken. So ging der Sommer hin, im Nu war der erste Abgabetermin heran und wurde in vollem Schreibgalopp gerissen: nicht zu halten. Auch der zweite nicht, und auch nicht der dritte. Dabei wurde ich im Schreiben immer schneller, zum Schluss mussten pro Kapitel zwei, drei Tage reichen. Den ganzen Mist vom Anfang, diese Zweibisdreiwochenkapitel, hatte ich längst weggeschmissen, und ich verschickte auch nichts mehr, an niemanden, vorsichtshalber. Außer die Lektorin.

Der Film ist die Momentaufnahme und steckt noch mittendrin im Einsamkeitsschlamassel, es geht mehr um Stimmung als um Erklärung. Erklären kann man das sowieso schwer. Das Buch erzählt ganz anders, und es erzählt natürlich mehr. Zum Schreiben braucht es weder Bilder noch Töne. Es gab tatsächlich noch einiges zu sagen, das im Film nicht gesagt werden konnte, eben weil die Bilder dazu fehlten. Klar finden sich auch die gleichen Geschichten hier wie dort, ich bin ja derselbe. Aber das Buch geht doch deutlich über den Film hinaus, es geht bis ganz zurück an den Anfang, und – vielleicht am wichtigsten: es gibt am Ende eine Lösung. So eine Art jedenfalls.

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