Begegnungen über Dachniveau oder: Die Haushaltshilfe meiner Vermieterin

chinesischklein

Taipei. Zwei Fußgängerampeln und 60 Sekunden Fußgängergrünphase entfernt vom größten Park der Stadt. Flachbau mit sechs Etagen gleich nebenan vom Hundesalon und gegenüber eines buddhistischen Hinterhoftempels. Im siebten Stock wohnen wir. Moment, siebter Stock bei sechs Etagen? Richtig: Unsere Etage gibt es gar nicht, drin wohnen können wir trotzdem. Unsere Wohnung gehört einer alten Dame, die die sechste und damit offiziell oberste Etage des Hauses bewohnt. Wo übrigens auch der Aufzug endet, das Treppenhaus zum Glück nicht. Acht von zehn Häusern in Taipei sollen solche aufgestockten, inoffiziellen, womöglich gar illegalen Etagen haben, für die sich unten an der Haustür weder Klingelschild noch Briefkasten finden.

Manchmal treffe ich unsere Vermieterin. Meistens, wenn sie uns aufs Dach steigt, wo sie einen ausgewachsenen Gemüsegarten betreibt. Den begutachtet sie mehrmals täglich, aber die Arbeit dort macht dennoch jemand anders: ihre Haushälterin, eine junge Frau aus Indonesien, die auch bei ihrer Arbeitgeberin lebt und ihr Tag und Nacht zur Verfügung steht. Noch kenne ich nichtmal ihren Namen, aber sie lacht immer und spricht ein putziges Englisch, immerhin, Verständigung ist möglich, auch ohne Chinesisch. Sie macht sogar gelegentlich unseren Abwasch, was mir eigentlich nicht recht ist… „Much work“, antwortet sie, wenn ich sie frage, wie es ihr geht. Und bläst die Backen auf. Und lacht.

Junge Frauen aus Indonesien und ähnlich armen Inselstaaten in der Nähe Taiwans werden hier von denen, die es sich leisten können, gern für den Haushalt angestellt, oder für die Altenpflege. Meistens mies bezahlt, dafür manchmal auch mies behandelt. Man könnte wohl sagen, sie werden gehalten: So kann Sklavenarbeit aussehen.

Dass ich kein Chinesisch spreche, scheint sie zu beschäftigen. Wie ist dem blonden deutschen Kerl zu helfen? Sie klopft an meine Tür und reicht mir ein paar Kopien in die Bude: mit denen hätte sie auch angefangen zu lernen, vielleicht helfen sie mir ja. Chinesisch – Indonesisch. Ein Herz, die lachende Haushaltshilfe meiner Vermieterin.

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